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Auszug aus dem Coburger Tageblatt (2002)

"A großa Goschn" wird 80

Hella Winkelmann-Hübner: Die Mutter der Seßlacher Vereine feiert Geburtstag

    Wer rastet, der rostet: Hella Winkelmann-Hübner hat bei weitem noch keinen Rost angesetzt. "Du bist doch die Hella", fragte sie vor kurzem erst ein dreijähriges Mädel und hängte sich an ihren Rockzipfel. Am Dienstag feiert die Mutter der Seßlacher Vereine ihren 80. Geburtstag.

    Nach Seßlach kam Hella Winkelmann-Hübner 1937. Das Licht der Welt erblickte sie in Bamberg als Hella Weniger. Die Jugend- und Schulzeit verlebte sie in Gleusdorf. Sie erlernte den Beruf der Kindergärtnerin und betreute die Kleinen in Busendorf, Trieb und später in Seßlach, als ihre Eltern umzogen.

Hella mit Enkeln    Im Verlauf des zweiten Weltkriegs erlebte sie schwere Zeiten: Ihr erster Mann fiel 1941 in Kiew, der zweite, Hans Winkelmann, galt ab 1945 als vermisst. Ihr dritter Gatte verunglückte 1985 tödlich bei einem Unfall. Trotz der schweren Schicksalsschläge ist die gläubige Christin immer "die Alte geblieben". Viel "Fleiß und Arbeit" investierte die allein Stehende, um 1957 in Seßlach ein Haus zu bauen. Ihren Sohn Heinz aus zweiter Ehe zog sie alleine groß. Er bescherte ihr zwei "prächtige Enkelkinder", die der ganze Stolz der Oma sind.

    Unbeschäftigt war und ist Hella Winkelmann-Hübner nie. In 15 Vereinen ist sie noch heute aktives Mitglied. Sechs Vereine hat sie mitgegründet. Besonders bei ihrer 25-jährigen Tätigkeit als "Mutter des Faschingsvereins" habe sie "viel Mühe, Freizeit und Geld" investiert.

    "Ich bin halt eine Schwarze." Seit 30 Jahren ist sie in der CDU und hat die Frauenunion ins Leben gerufen. Von 1972 bis 1984 war "die Hella" als erste Frau im Seßlacher Stadtrat. Auf die Frage, wie sie das geschafft hat, antwortet sie einfach nur: "Man muss halt a großa Goschn hab."

    So hat sie heute noch einen guten Kontakt zur Jugend und ein offenes Ohr für die Senioren. nach 28 Jahren gab sie den VdK-Vorsitz ab. 1997 wurde der Jubilarin eine große Ehre zuteil. Landrat Karl Zeitler zeichnete sie im Namen von Bundespräsident Roman Herzog mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik aus.

    Sie war schon immer eine Sportskanone, liest seit 25 Jahren das "Tageblatt" und hat eine soziale Ader. So hat sie sich nie gescheut, zu Gunsten der "Aktion Sorgenkind", für die Kirchenrenovierung und Veranstaltungen im Coburger Land eine größere Geldspende zu geben. Deshalb will sie auch zu ihrem 80. keine Präsente, ein Sparschwein steht für gute Zwecke bereit.

    Zwei Sachen sind leider nicht mehr so, wie es mal war: 40 Jahre lang hat sie jede Woche mit ihren Blumen auf dem Coburger Markt gestanden, und nach 17 Jahren hat ihr Markenzeichen den Geist aufgegeben - sie war eine der ersten und letzten R4-Fahrerinnen im Landkreis. "Deshalb hab ich mir mit 80 noch ein neues Auto gekauft, einen Suzuki", erzählt sie. "Und da sitzt du drin wie auf einem Kanapee."
mf
 
     

© 2003 Herbert Pachsteffl · www.stadt-sesslach.de