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Auszug aus dem Bayerischen Staatsanzeiger/Staatszeitung vom 04.08.2000

Schmuckkästchen im Coburger Land

Die Stadt Seßlach feiert ihre erstmalige Erwähnung vor 1200 Jahren

    Eine vollständig erhaltenen Stadtmauer, drei Wehrtürme*), drei Tore, eine Altstadt mit zahlreichen Fachwerkhäusern - bei einem Besuch in Seßlach fühlt man sich in das Mittelalter zurückversetzt. 1987 wurde das hübsche, südwestlich von Coburg gelegene Städtchen für die vorbildliche Sanierung seines Stadtkerns geehrt. Landes- und bundesweit erhielt Seßlach im Wettbewerb "Bürger, es geht um deine Gemeinde - Innenentwicklung von Städten und Gemeinden" neben nur elf weiteren Orten im gesamten Bundesgebiet eine Auszeichnung. Gut gerüstet ist Seßlach also für die Feierlichkeiten, die zum 1200. Geburtstag anstehen.

"Sezzelaha" könnte "Grenzmarke" bedeuten.

    Im Jahr 800 wurde "Sezzelaha" in einer Urkunde erstmals erwähnt, in der die Äbtissin Ernhild ihr Kloster Milz, gelegen in der Nähe des Thüringischen Meiningen, samt dessen Besitzungen an die Abtei Fulda übertrug. Seßlach gehört zu diesem klösterlichen besitz. Aller Wahrscheinlichkeit nach bedeutet der Ortsname "Grenzmarke". Im Jahr 1120 belehnte Kaiser Heinrich V. den Würzburger Bischof Erlung mit dem Herzogtum Franken und bestätigte dessen weltliche Rechte. Seßlach wurde Amts- und Zehntgericht im Herzogtum.

    1154 ist überliefert, dass Hugo de Sezelah den Zehnten an den Würzburger Bischof übergab. Hugo hatte seinen Ansitz auf der südöstlich der Stadt auf einer Anhöhe gelegenen Burg Geyersberg. Im 13 Jahrhundert wurde Seßlach wegen Besitzstreitigkeiten stark zerstört. Ende des Jahrhunderts erfolgte der Wiederaufbau. Die Blütezeit Seßlachs begann, nachdem Kaiser Ludwig der Bayer 1335 dem ort die Stadtrechte verliehen hatte. 1337 fasste das Geschlecht der Lichtensteiner, die von Würzburger Amtsleuten zu reichen Grundherren emporstiegen, für 500 Jahre Fuß in Seßlach. Die Stadt wurde befestigt. Bereits 1343 war das erste Tor, das Geyersberger oder Eckersdorfer Tor, errichtet worden.

    Während des Bauernkriegs im 16. Jahrhundert probte das selbstbewusst gewordene Seßlach vergeblich den Aufstand gegen den Würzburger Bischof, dessen Lehen die Stadt immer noch war. Während des Dreißigjährigen Krieges stand Seßlach auf der katholischen Seite. 1632 geriet ein Trupp feindlicher Schweden in der Nähe der Stadt in den Hinterhalt und wurde vernichtet. Die Reste einer bei diesem Sieg erbeuteten Fahne beherbergt das Heimatmuseum im ehemaligen fürstbischöflichen Getreidespeicher. Freilich rächten sich die Schweden für die erlittenen Schmach und zogen plündernd und mordend durch Seßlach. Weitere Überfälle und Brandschatzungen folgten. Nur langsam erholte sich die Stadt.

    Mit der Säkularisierung endete die fürstbischöfliche Herrschaft in Seßlach. Rund 30 Jahre später verkauften die Lichtensteiner die Burg, die vom neuen Besitzer im Stil der Neugotik umgebaut wurde. 1920 erwarb sie die Familie Salb, in deren Besitz sie sich heute noch befindet.

    1812 hatte Seßlach ein Landgericht erhalten, das 1879 zum Amtsgericht wurde. Das schöne Gebäude mit seinen auffälligen Treppengiebeln steht noch heute im Ortszentrum und fiel nicht der Brandkatastrophe im Jahr 1905 zum Opfer, wie so viele andere Häuser in der Stadt. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Städtchen ohne größere Zerstörungen. Danach prägte fast 50 Jahre die nahe Grenze zur DDR das leben in Seßlach. Mit dem Mauerfall im Jahr 1989 begann dann ein neues Kapitel in der Stadtgeschichte.

Beim "Fasstag" tragen die Bürger ihr Bier nach Hause.

    Seßlach hat sich über die Jahrhunderte sein besonderes Flair bewahrt. Viel gibt es zu entdecken in den verwinkelten Gassen der Stadt. Ein für alle Fremden kurioses Schauspiel findet am "Fasstag" statt. In unmittelbarer Nähe des Maximiliansplatzes im Stadtzentrum befindet sich das kommunale Brauhaus. Für viele Seßlacher ist der einfache Sandsteinbau das wichtigste Gebäude in der Stadt. Denn hier wird nach alten Rezepten das süffige Seßlacher Bier noch wie vor Jahrhunderten gebraut. Am Fasstag kann sich jeder sein Bier im Brauhaus abholen, sofern er bereit ist, es in Fässern, Kannen, Eimern oder so wie früher in Butten nach Hause zu tragen. Flaschen gibt es nicht, hat es nie gegeben.

    Besonders reizvoll ist die Landschaft des Oberen Maintals, in die Seßlach eingebettet liegt, und die sich auf rund 100 Kilometern gut ausgeschilderten Wanderwegen erkunden lässt. Zudem locken attraktive Städte und Sehenswürdigkeiten in der nahem Umgebung, wie Bamberg, Coburg, die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen oder Kloster Banz. Mittlerweile gehört auch der nahegelegene Thüringer Wald zu den begehrtesten Ausflugszielen.

    Das Jubiläumsjahr begann Ende Mai mit einer Festwoche. Am 19. und 20. August wird beim Altstadtfest die ganze Stadt zum Festplatz werden. Handwerkermarkt und historischer Umzug werden an alte Zeiten erinnern. Unter dem Motto "10 Jahre Deutsche Einheit" wird am 3. Oktober ein Marathonlauf über alte Grenzen mit Start und Ziel in Seßlach ausgetragen.

Über weitere Veranstaltungen informiert die Stadt Seßlach (Tel. 09569/922540, Fax. 922525).

<Eva Meier>
*) vier Wehrtürme - Anmerkung Webmaster
 
     

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